Beton Ausblick 2026
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Betonbau neu denken – digital und robotergestützt

Forscher der Universität für Bodenkultur Wien gaben beim Baukongress im April 2026 in Wien Einblicke in ihre Visionen für die Zukunft des Bauens mit Beton.

Wie können wir Beton noch effizienter nutzen und die Produktion optimieren? Diesen Fragen gehen Benjamin Kromoser, Peter Gappmaier und Sara Reichenbach an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) nach. Sie testen dafür eine Kombination aus digitaler Planung, intelligenter Materialoptimierung und robotergestützter Fertigung.

Weniger Beton, gleiche Leistung

Durch sogenannte Topologieoptimierung können laut der Forscher bis zu 40 % Beton eingespart werden, ohne die Tragfähigkeit zu reduzieren. Dafür wird rechnerisch ermittelt, wo im Bauteil wirklich Material benötigt wird und wo nicht. Das Ergebnis sind Bauteile mit gezielten Aussparungen: leichter, ressourcenschonender und trotzdem stabil.

Planung und Produktion wachsen zusammen

Traditionell sind Entwurf und Herstellung im Bauwesen getrennte Welten. Geht es nach den Forschern der BOKU, werden die Fertigungsbedingungen aber schon im Designprozess mitgedacht. Im Idealfall werden Geometrien direkt auf die Roboterproduktion abgestimmt. Dadurch verschmelzen Planung, Optimierung und Fertigung zu einer durchgängigen digitalen Prozesskette.

baukongress 2025

Die Rolle der Schalung: Vom Wegwerfprodukt zum System

Optimiert wird in den Versuchsreihen auch der Einsatz der Schalung, der Form, in die der Beton gegossen wird. Zwar arbeitet die Betonfertigteilindustrie bereits mit wiederverwendbaren Schalungen, besonders bei komplexen Geometrien sind sie aber oft noch Einwegprodukte. Die Lösung könnten modulare Schalungssysteme sein, die flexibel kombinierbar sind. Entscheidend dafür ist, dass sie sich an verschiedenste Bauteile und Betonarten anpassen lassen.

Roboter übernehmen die Baustelle (zumindest teilweise)

Herzstück der Forschung von Kromoser, Gappmaier und Reichenbach ist der Einsatz von Industrierobotern: Sie platzieren Schalungselemente präzise, arbeiten reproduzierbar und effizient und reduzieren den Bedarf an manueller Arbeit – ein klarer Vorteil angesichts des Fachkräftemangels. Simulationen zeigen zudem, dass sich die Produktionszeiten bei Betonfertigteilen um rund 30 Prozent verkürzen lassen.

Ist das die Zukunft?

Die Antwort der Forscher in ihrem Vortrag am Baukongress lautet kurz gesagt: sehr wahrscheinlich – aber nicht sofort flächendeckend. Dafür sprechen großes Einsparpotenzial bei Material und CO₂, Automatisierung gegen Fachkräftemangel, hohe Präzision und neue architektonische Möglichkeiten. Hemmnisse sind aktuell hohe Anfangsinvestitionen, die Umstellung bestehender Prozesse und neue Anforderungen an Planung und Bau.

Fazit des BOKU-Forscherteams: Die Zukunft des Bauens liegt wohl nicht in mehr Beton, sondern in besser eingesetztem.