Hitzeinseln, Starkregen, ausdörrende Stadtbäume – die Folgen des Klimawandels treffen Österreichs Städte und Gemeinden mit voller Wucht. Viele gestalten als Antwort darauf ihre Außenräume bereits klimafit – mit viel Grün, aber auch mit befestigten Oberflächen aus hellem Beton, die Straßen und Plätze gleichzeitig barrierefrei und zugänglich einerseits und wasserdurchlässig andererseits machen. Eine wachsende Zahl von Projekten quer durchs Land zeigt, wie das gelingt.
Schwammstadt und Betonpflaster – kein Widerspruch
Das Schwammstadtprinzip hält Regenwasser dort, wo es fällt: Es versickert durch wasserdurchlässige Fugen ins Erdreich, wird gespeichert und steht Stadtbäumen als Reserve zur Verfügung. Die Bäume kühlen durch Verdunstung ihre Umgebung – ein Kreislauf, der Hitzeinseln wirksam abbaut. Betonpflastersteine spielen dabei eine Doppelrolle: Helle Oberflächen reflektieren Sonnenstrahlung, versickerungsfähige Verlegung entsiegelt Flächen partiell.
Von Wien bis Oberösterreich: Projekte, die zeigen, wie es geht
Das Prinzip funktioniert – und das nicht nur auf dem Papier. Eine wachsende Zahl realisierter Projekte belegt, dass klimafitte Pflasterung und hohe Aufenthaltsqualität kein Widerspruch sind.
- Lebenscampus Wolfganggasse, Wien – Auf dem 31.000 m² großen ehemaligen Gelände der Wiener Lokalbahnen entstand ein Quartier mit hellen versickerungsoffenen Belägen, begrünter Wegachse und heimischen Baumarten.
- Bruno-Marek-Allee, Wien (1020) – Im Nordbahnhofviertel entstand auf rund 9.100 m² ein Freiraum mit hellen Materialien und präziser Geometrie. Besondere Herausforderung: Die Aufbauhöhe von nur etwa 1,5 Metern musste ausreichend Wurzelraum für eine stabile Vegetationsentwicklung bieten. Die inselartigen Pflanzflächen verbinden Wohn- und Außenräume zu einem ruhigen Stadtquartier mit hoher Aufenthaltsqualität.
- Neues Landgut, Wien-Favoriten – Am Elisabeth-Sundt-Platz im Stadtentwicklungsgebiet Neues Landgut wurde ein Schwammstadtprojekt mit Betonpflastersteinen umgesetzt. Das Quartier gilt als Beispiel dafür, dass neue Stadtteile gleich von vornherein klimafit geplant werden können.
- Attnang-Puchheim, Oberösterreich – Die Gemeinde gilt als „erste Schwammstadt“ Oberösterreichs. Auf zwei zentralen Plätzen, die mit Betonpflastersteinen durchlässig gestaltet wurden, wird das Regenwasser direkt in den Wurzelraum der Bäume geleitet, die sich so während heißer Sommertage selbst versorgen.
- Promenadenring, St. Pölten – Auch die niederösterreichische Landeshauptstadt setzt auf klimafitte Freiraumgestaltung. Der Promenadenring zeigt, wie historisch gewachsene Stadträume zeitgemäß und klimafit aufgewertet werden können. Asphalt weicht versickerungsoffenen Belägen aus Beton, parkende Autos wurden in Parkhäuser verstaut, Tempo 30 gilt im gesamten Bereich. Die Stadtbäume wurden nach dem Schwammstadtprinzip verpflanzt. Der erste Abschnitt ist seit Juni 2024 in Betrieb, Fertigstellung des Gesamtprojekts 2028 geplant.
Ein Trend, der Fahrt aufnimmt
Klimafit gestaltete Freiräume mit viel Grün können die gefühlte Außentemperatur um mehrere Grad reduzieren – das zeigt etwa die Wohnanlage Nordbahnhof III in Wien-Leopoldstadt. Klimafit umgestaltete Plätze werden zudem stärker genutzt, weil sie an heißen Sommertagen angenehmer sind. Grund genug für immer mehr Entscheidungsträger, das Schwammstadtprinzip mit Betonpflastersteinen voranzutreiben – von Wien bis zur kleinen Marktgemeinde. Noch liegt Österreich mit knapp unter einem Quadratmeter Pflastersteine pro Kopf und Jahr deutlich hinter Deutschland und den Niederlanden (2 bis 2,5 m²), aber das Potenzial ist groß.